• Daniel Rieß

Berlin hautnah - Berlin Kreuzberg, ein Stadtteil geprägt von gemischten Gefühlen

Berlin Kreuzberg, ein Stadtteil der mit seinen Gegensätzen polarisiert wie kaum ein anderer in der Hauptstadt. Bekannt und beliebt für seine bunten und unterschiedlichsten Kulturen und alternativen Lebensweisen, welcher zugleich ein Sehnsuchtsort für die unterschiedlichsten Menschen darstellt. Auf der anderen Seite ein Ort geprägt von Kriminalität, Rauschgifthandel und heruntergekommenen düsteren Ecken. Berlin Kreuzberg, zwischen Kreuzberg 36 und 61, von den einen geliebt, von den anderen gehasst. Dennoch ein spannender und sehenswerter Stadtteil, der bei einem Besuch definitiv gemischte Gefühle aufkommen lässt.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde von „Berlin hautnah“, liebe Hauptstadt Liebenden,

mit dieser „Berlin hautnah“ Ausgabe über den Berliner Stadtteil Kreuzberg, geht auch mein Hauptstadt Spezial zu Ende. Ich hoffe, dass ich euch mit meinem längeren Aufenthalt in Berlin ein paar interessante und vor allem unbekannte Eindrücke aus dieser faszinierenden Stadt vermitteln konnte. Wie ihr sicherlich auch sehen und lesen konntet, gibt es in Berlin jede Menge zu sehen und zu entdecken. Natürlich weitaus mehr wie ich euch im Laufe des Jahres mit meinen Ausgaben über Berlin vermitteln konnte. Es sind kaum Grenzen gesetzt. Reist daher am besten selbst nach Berlin und lasst euch von diesem einzigartigen Flair treiben und begeistern. Einige interessante Orte habt ihr nun durch meine persönlichen Geschichten und Erfahrungen an der Hand. Kommt mit offenen Fragen gerne auf mich zu. Ich freue mich schon heute über eure eigenen Erzählungen aus der Hauptstadt!


Berlin Kreuzberg, ein Stadteil der von Kiez zu Kiez nicht unterschiedlicher sein könnte. Wo eins die Arbeiterklasse auf eine alternative Szene traf, ist Berlin Kreuzberg heute ein Inbegriff der Berliner Lebensweise. Und das abseits der touristischen Mitte. Wo bürgerliches Leben, unterschiedlichste Nationalitäten, verschiedenste politische Orientierungen und rauer Großstadtflair so tief verbunden sind, wie kaum irgendwo anders in der 3,6 Millionen Metropole. Wo man auf der einen Seite diesen speziellen und angenehmen Flair in völliger Gelassenheit genießen kann, meidet man auf der anderen Seite lieber gewisse Orte um nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Wie ihr lesen könnt hat der MultiKulti Stadtteil Kreuzberg einiges auf dem Kasten. Sei es im positiven, jedoch auch im negativen Sinne, aber lest und erfahrt am besten selbst...!




Berlin Kreuzberg, ein Stadtteil geprägt von gemischten Gefühlen

Ein Berliner Stadtteil und gemischte Gefühle, der ein oder andere von euch wird sich nun die Frage stellen in wiefern hier Gefühle eine Rolle spielen. Aber genau von dieser persönlichen Erfahrung möchte ich euch in dieser „Berlin hautnah“ Ausgabe erzählen. Mit dem Stand vom 31. Dezember 2020 leben im Berliner Stadtteil Kreuzberg, 153.135 Menschen. Diese Menschen könnten an sich kaum unterschiedlicher sein. Viele unterschiedliche Kulturen, Nationalitäten, Religionen sowie Armut und Reichtum machen es lebenswert und interessant in Kreuzberg zu leben. Der Stadtteil kann sich aber auch in gewissen Situationen zu einer Art Pulverfass entwickeln. Als ich und meine Familie an einem sonnigen Mittag über die Oberbaumbrücke, eines der berühmtesten Wahrzeichen Berlins, auf einmal im Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg angekommen sind, waren wir doch ein wenig gespannt, wie es uns hier ergehen würde. Im Vorfeld konnte ich mir durch diverse Informationen bereits ein kleines Bild des Stadtteils machen. Schnell wurde mir bei meinen Recherchen jedoch auch klar, dass es neben zahlreichen angenehmen Orten in Kreuzberg, definitiv auch Plätze und Gegenden gibt, die man als Besucher und sogar als Berliner lieber umgehen sollte, um nicht in potentielle Schwierigkeiten zu geraten. Und schon fing dieses eine gewisse Problem an. Zugegebenermaßen muss ich nämlich eingestehen, dass mich genau diese Orte auf meinen Reisen ganz besonders reizen und interessieren, von welchen im Vorfeld abgeraten wird. Ein manchmal etwas riskantes Unterfangen, welches auf der anderen Seite aber natürlich auch immer ein Garant für das ein oder andere Abenteuer ist. Zu Fuß tauchten wir somit ein, um uns von diesem ganz speziellen Kreuzberger Flair in den Bann ziehen zu lassen. Auf unserem Weg durch die verschiedenen Straßenzüge und Häuser-Karrées, konnten wir schöne und typisch berlinerische Altbauten betrachten die schön anzusehen waren. So unterschiedlich die Architektur teilweise auch war, so unterschieden sich auch immer wieder politische Parolen, die teilweise auf Gebäude gesprüht, oder auf anderen Wegen erkenntlich gemacht wurden. Es machte Spaß durch den belebten Stadtteil zu schlendern, zudem war es sehr interessant ein Geschmack dafür zu bekommen, was die Menschen hier in Berlin-Kreuzberg bewegen würde. Neben dem bunten Treiben und den schönen großstädtischen Altbauten, bekamen wir auch immer wieder großflächige Graffitis zu Gesicht, welche ganze Gebäudewände mit einem ganz speziellen Stil schmückten. Der Astro- bzw. Cosmonaut von Victor Ash sowie das Matura „Natura Morte“ des Street Art Künstlers Roa, gehören zudem zu den berühmtesten Straßenkunstwerken Berlins. Die Stimmung war gut und die Gefühlslage entspannt, bis wir auf einmal auf einen Ort stießen, der uns durch zahlreiche vergangene Medienberichte durchaus bekannt war. Schlagartig kam eine gewisse unangenehme Anspannung auf. Wenn sich eine Parkanlage im Schatten des Rauschgifthandels befindet...


Über die Oberbaumbrücke ging es nach Kreuzberg



Die aufgeständerte Hochbahnlinie führt durch den Stadtteil Kreuzberg und ist die älteste U-Bahn Strecke Berlins



Kreuzberger Straßenflair



Was die Menschen in Kreuzberg bewegt



Typische Altbauten



Verschiedenste Farben und Straßenkünste schmücken den Stadtteil



das Matura „Natura Morte“ Kunstwerk des Street Art Künstlers Roa



Der Astro- bzw. Cosmonaut von Victor Ash




Eine Parkanlage im Schatten des Rauschgifthandels

Nachdem wir einen Straßenzug passiert hatten, standen wir auf einmal vor den Toren einer größeren Parkanlage. Das verschmierte Schild links neben dem Eingang, welches an einem Gitterzaun befestigt war, gab unweigerlich zu verstehen, wo wir uns befinden. Wir standen vor dem Görlitzer Park, oder wie auch gerne unter Berlinern verniedlicht und betitelt, vor dem Görli. In Berlin Kreuzberg zählte der Görlitzer Park zu den großen Parks und somit auch zu einem wichtigen Naherholungsgebiet. Der Görlitzer Park wurde in den späten 80er und frühen 90er Jahren nach dem Abriss der ehemaligen Bahnanlage des Görlitzer Bahnhofs angelegt. Der Görlitzer Park ist zwischenzeitlich zu einer Art rechtsfreiem Raum heran gewachsen und ist somit den meisten Berlinerinnen und Berlinern eher ein Dorn im Auge. Heute ist der Görlitzer Park nämlich nicht mehr als beliebtes Naherholungsgebiet, sondern als einer der bekanntesten Drogenumschlagplätze Berlins bekannt. An fast jeder Ecke werden durch finstere und sehr aufdringliche Gestallten, sämtliche Arten von Betäubungsmitteln an den Mann gebracht. Drogen werden hier so offen verkauft wie Brötchen. Das schlimmste daran ist, dass die Abnehmer der tödlichen Ware immer jünger werden. Beobachtet man die Situation, kann man nicht selten Jugendliche beim Kauf der todbringenden Substanzen beobachten. Auf der Wiese der Görlitzer Parks entspannten sich Menschen, spielten Frisbee, amüsierten sich und hatten Spaß. Nebenan verdienen die penetranten Dealer ihr schmutziges Geld mit noch so schmutziger Ware. Wir gingen dicht an dicht durch den Park, unsere Körper in einem gewissen Alarmzustand und immer wieder wurden auch wir als Familie gefragt, ob wir nicht zufällig etwas Rauschgift kaufen wollen. Ich überlegte kurz, entschloss mich dann aber doch meine Ware an einem anderen Ort zu kaufen. Spaß bei Seite, unser kurzer Aufenthalt im Görlitzer Park war äußerst unangenehm und erschreckend zugleich. Am erschreckendsten war es jedoch zu sehen, dass selbst immer wieder stattfindende Kontrollen, Razzien und Festnahmen zu keiner Besserung der Situation führten. Ganz im Gegenteil, die Drogensituation in und um den Görlitzer Park, nimmt weiterhin stetig zu. Nachdem wir den Görlitzer Park hinter uns gelassen hatten, ging es zu einem weiteren heißen Ort in Berlin Kreuzberg. Uns interessierte das Leben am und um das Kottbusser Tor...


Einer der zahlreichen Eingänge der Görlitzer Parkanlage



Auf der einen Seite Naherholungsort...



...auf der anderen Seite Drogenumschlagplatz



Die ehemaligen Bahnhofsbauten mit der benachbarten Emmaus Kirche im Hintergrund




Das Leben am und um das Kottbusser Tor

Nur wenige Minuten vom Görlitzer Park entfernt, befindet sich ein weiterer Brennpunkt der Berliner Hauptstadt! Einerseits ist die Gegend rund um das Kottbusser Tor ein beliebter, authentischer, vielfältiger und von verschiedensten Kulturen geprägter Ort. Restaurants, Dönerbuden, Kneipen, Spätis und die zentrale Lage zum Berliner Nachtleben, machen das Kottbusser Tor bei vielen vor allem jungen Menschen beliebt. Auf der anderen und zwischenzeitlich präsenteren Seite, ist das von Berlinern auch verharmlost genannte Kotti, ein HotSpot der Kriminalität. Zwischenzeitlich dominieren Kriminelle, Süchtige und Dealer nicht nur die Straßen sondern auch die Wohngebäude. Ungebetene Gäste haben den Ort, Jahr für Jahr und Stück um Stück wahrlich vergiftet. Schlägereien, Raubüberfälle und Drogentote, nichts Ungewöhnliches für das Kottbusser Tor. Somit ist dieser Ort besonders für Gäste aber auch für Berliner ein brisanter Kiez. Daher war auch unser Gemüt, kurz bevor wir am Kottbusser Tor ankamen etwas aus der Ruhe gebracht. Jedoch war es uns wichtig auch diesem Ort mit einer Chance und einem gewissen Respekt zu begegnen. Zudem war es mir persönlich wichtig, euch während meinen Ausgaben von „Berlin hautnah“, nicht nur die Sonnenseiten unserer Hauptstadt zu zeigen. Daher machten auch wir uns während unserer Tour durch Kreuzberg mit diesem Ort vertraut. Auf den ersten Blick erschien das Kottbusser Tor wie ein ganz normaler Großstadtkiez, beobachtete man die Situation jedoch etwas genauer, zeigten sich immer wieder seltsame Gestalten, die auch ihr Umfeld genau beobachteten und auf den richtigen Moment warteten. Für uns war klar, es war hier definitiv Vorsicht geboten. Alle Wertsachen waren gut verstaut und unsere mitgeführten Taschen fest an den Körper gedrückt. Besonders das sogenannte „antanzen“ und das damit verbundene Stehlen von kleineren Wertsachen wie Smartphone und Portmonee, ist am Kottbusser Tor eine alltägliche Methode, um die Besucher des Kotti auf einfache Weise zu bestehlen. Lässt man sich etwas auf diesen Ort ein, kann man aber auch eine recht interessante und vor allem leckere Zeit am Kottbusser Tor verbringen. Dem Kotti wird nämlich auch nachgesagt, dass hier der erste Döner Kebab der türkischen Essenskultur entstanden ist. Nachdem wir uns etwas schlau gemacht hatten, konnten wir dann auch sicherlich einen der leckersten Dönerläden der Stadt ausfindig machen. So konnten wir direkt am Kottbusser Tor einen richtig richtig leckeren Döner als verspätetes Mittagessen genießen und währenddessen das Leben an diesem Problemviertel beobachten. Wenn ihr daher etwas mutiger seid und auch einmal die andere Seite Berlins sehen und erleben möchtet, kann das Kottbusser Tor zu einem interessanten Ziel auf eurem Trip durch Berlin werden. Seid dabei aber bitte vorsichtig und wachsam, tragt keine Wertsachen zur Schau und verstaut diese sicher in euren Taschen. Kommt es dennoch zu einem Übergriff, sollte zur eigenen Sicherheit keine Gegenwehr geleistet werden. Nach dem Besuch am Kottbusser Tor, ging es für uns auch schon wieder heraus aus Berlin-Kreuzberg. Es war wieder einmal sehr interessant zu sehen wie unterschiedlich Berlin sein kann und welche unterschiedlichen Facetten hier anzutreffen sind. Fakt ist jedoch, welchen ihr nach meinen verschiedenen Berichten über die Hauptstadt hoffentlich auch unterstreichen könnt, Berlin hat für jeden Geschmack etwas zu bieten...!


Mit gemischten Gefühlen am Kottbusser Tor angekommen



Der Hochbahnhof ist am Kotti der Dreh- und Angelpunkt



Das polarisierende und pulsierende Leben am Kotti sowie am Zentrum Kreuzberg



Einer der leckersten Dönerläden der Stadt



Das Berliner Streetfood schlechthin



Es war richtig richtig lecker!




Hier findet ihr den Berliner Teufelsberg in gelb markiert

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