• Daniel Rieß

Berlin hautnah - Beeindruckende Geschichte auf dem Berliner Mauerweg entlang der Bernauer Straße

Berlin, die Stadt, die durch eine Mauer in zwei Städte geteilt war. Geteilt zwischen Ost und West, geteilt zwischen DDR und Bundesrepublik, geprägt von Leid und Spaltung. Was heute unvorstellbar ist, prägte und bestimmte vor der Wiedervereinigung das Leben zahlreicher Menschen. Berlin, die Mauerstadt die sich zur Weltstadt entwickelte und noch heute beeindruckende und zugleich erschreckende Schauplätze der damaligen Mauerzeit vorhält um diese unvergesslich zu machen.

Begibt man sich in Berlin auf eine geschichtliche Entdeckungsreise, kommt man natürlich nicht an der Berliner Mauer vorbei. Speziell für diese Entdeckungstour gibt es in der Hauptstadt den Berliner Mauerweg, der sich insgesamt auf einer Länge von rund 160km durch die Stadt und Umgebung zieht. Direkt in der City findet man den Mauer Weg beginnend an der East Side Gallery, über den Potsdamer Platz bis in die Bernauer Straße auf einer Strecke von rund 5,7km. Hier kennzeichnet eine Doppelreihe Kopfsteinpflaster den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer. Besonders den Streckenabschnitte entlang der Bernauer Straße finde ich persönlich sehr beeindruckend und informativ. Der Mauerweg entlang der Bernauer Straße war während meinem Aufenthalt in Berlin ein absolutes Highlight und sollte von jedem Besucher, der an der Berliner Geschichte interessiert ist, mindestens einmal abgelaufen werden.


Begibt man sich also auf dieses geschichtliche Abenteuer, bietet sich das mit einer rostigen Fassade erscheinende Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße Ecke Gartenstraße, optimal an. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man über die S-Bahn Haltestelle Nordbahnhof sehr gut an das Besucherzentrum und somit auch an den Beginn des Mauerweges in der Bernauer Straße. Vom Besucherzentrum aus lassen sich geführte Touren entlang des Mauerstreifens unternehmen, die im Obergeschoss des Besucherzentrums mit einem Einführungsfilm beginnen. Im Erdgeschoss ist eine Fachbuchhandlung zur Geschichte der Berliner Mauer und der deutschen Teilung untergebracht. Wenn man sich das Besucherzentrum angesehen hat, wechselt man am besten auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo dann die eigentliche Außenausstellung zur Mauergeschichte auf dem ehemaligen Grenzstreifen der Bernauer Straße beginnt. Die Außenausstellung der Gedenkstätte erstreckt sich über eine Länge von 1,4km entlang der Bernauer Straße und ist in vier Themengebiete wie folgt unterteilt. Am Besucherzentrum beginnend, gelangt man in das Themengebiet A, das die Mauer in Verbindung mit dem Todesstreifen verdeutlichen soll. Das Themengebiet B steht im Namen der damaligen Zerstörung der Stadt, während im Bereich C der Bau der Mauer und im Bereich D, der Alltag des Mauerlebens, den Besuchern verdeutlicht werden soll. Die bestehenden Reste und Spuren der Mauer wurden über die ganze Ausstellung bestmöglichst erhalten und verdeutlichen die dramatische Ereignisgeschichte der Bernauer Straße. Ein zentrales Element der Außenausstellung ist hier das, im Jahr 2010, fertig gestellte „Fenster des Gedenkens“, das sich auf dem ehemaligen Gelände des Sophien-Friedhofs befindet und einen würdigen Gedenkort für die Todesopfer der Berliner Mauer bietet.




Über Sicht der Themengebiete A bis D




Bereich A: Die Mauer und der Todesstreifen

Der Themenbereich A veranschaulicht seinen Besuchern die Mauer als wesentlicher Bestandteil der damaligen Herrschaftssicherung der SED-Diktatur (Sozialistische Einheitspartei Deutschland). Hier wird die Brutalität des Grenzregimes mit seiner Vorgehensweise bei der Fluchtverhinderung sowie bei der Unterbindung von Freizügigkeit deutlich gemacht und zeigt dadurch resultierend die furchtbaren Umstände für die Menschen in Ost- und West. Am historischen Ort der Bernauer Straße werden mit zahlreichen Fotos, Schriftstücken und Tonsequenzen die Reaktionen der Menschen auf die Mauer und dessen Todesstreifen sowie einige vorgenommene Fluchtversuche in Bild und Ton veranschaulicht.

Der original erhaltene Mauerabschnitt mit dem dazu gehörigen Wachturm, in Verbindung mit dem „Fenster des Gedenkens“, indem Bilder von Kindern und Erwachsenen der damaligen Zeit mit den verschiedensten Schicksalen gezeigt werden, lassen bei den Besuchern Gänsehaut aufkommen. Die Grenzanlage dehnte sich seit dem Jahr 1961 auf einen ungefähr vierzig Meter breiten Streifen aus, der sich auf den angrenzenden Friedhof der Sophiengemeinde ausdehnte und eine Nutzung des Friedhofs somit nicht mehr zuließ. Erhaltene archäologische Bestandteile zeigen zudem ältere Schichten der Grenzanlage und des eingesetzten Grenzsperrsystems. Der Bereich A der Gedenkstätte Berliner Mauer bietet somit einen spannenden Einstieg in die Mauergeschichte.

















Bereich B: Die Zerstörung der Stadt

Begibt man sich auf seiner Mauerentdeckung vom Themenbereich A in den Bereich B, geht es fließend mit zahlreichen bewegenden Eindrücken weiter. Auch hier wird die Geschichte der Menschen im Grenzgebiet erzählt. Bilder zeigen flüchtende Bewohner aus den Grenzhäusern, die sich waghalsig aus ihren Wohnungen abseilen oder aus dem Fenster in die Sprungtücher der West-Berliner Feuerwehr sprangen. Hier wird nochmals verdeutlicht, wie groß die Not der Menschen zur damaligen Zeit gewesen sein muss. Für den Themenbereich wurde der Keller eines Grenzhauses freigelegt und mit der Geschichte der Bewohner verbunden. Hier wird dargestellt, wie sich das Grenzleben vor dem Mauerbau abgespielt hatte, wie Fluchten und Zwangsaussiedlungen von statten gegangen sind und wie letztlich Mitte der sechziger Jahre Gebäude abgerissen wurden. Zudem wurden weitere Grenzhäuser auf dem Boden nachgezeichnet und mit den zugehörigen Hausnummern versehen. So können Besucher die Geschichte der verschwundenen Gebäude zuordnen. Erschreckend und beeindruckend zugleich, sind die zu den Häusern dazugehörigen Fluchttunnel der Grenzhausbewohner. Auch hier wurde nochmal deutlich mit welchem Aufwand eine Flucht unbedingt vollzogen werden wollte.

Ein weiterer interessanter Part des Thementeils B, ist die Geschichte der Versöhnungskirche, die sich seit dem Jahr 1961 verwaist im Grenzstreifen befand und letztlich im Jahr 1985 in die Luft gesprengt wurde. Heute ist nur noch ein kleiner Teil des Kirchenfundamentes sowie die nach gezeichneten Grundrissen der originalen Kirche auf dem Gelände vorhanden. Für regelmäßige Andachten an die tragischen Vorkommnisse während der Mauerzeit, wurde eine neue Kirche errichtet, die regelmäßig genutzt wird.
















Bereich C: Der Bau der Mauer

Im Themenbereich C werden zwei unterschiedliche Themen zusammengeführt. Im ersten Bereich wird der im August 1961 beginnende Mauerbau thematisiert, der erst im November 1989 endete. In diesem langen Zeitraum wurden die verschiedenen Grenzanlagen immer wieder um- und ausgebaut, da die Anlagen immer wieder an die Kreativität der hinzukommenden Fluchtversuche angepasst werden musste. Der Drang aus der DDR in den Westen zu flüchten ließ dies zu einem stetigen und nicht selten tödlich endendem Katz und Maus Spiel werden. Bei der Anpassung der Grenzanlagen waren drei Vorgehensweisen ausschlaggebend. Zum einen wurde der Ausbau seit Mitte der sechziger Jahre in zwei systematisch geplanten Etappen vorangetrieben, zum anderen wurde die Flucht und jeder Fluchtversuch genauestens analysiert um die weiteren Ausbauten den Umständen anzupassen. Als drittes forderten die Grenzoffiziere, die für jede Flucht und Problematik an der Mauer zur Verantwortung gezogen wurden, einen lokalen Ausbau der Mauersperren. Ein archäologisches Fenster zeigt in diesem Themenbereich den Rest der seit 1983 abgebrochenen Sperre die für Fahrzeuge eingesetzt wurde.


Im zweiten unterteilten Themenbereich, wird die teils aufwändige Überwachung des Grenzvorfeldes thematisiert, das sich unmittelbar vor der Mauer in Ost-Berlin befand. Zur Überwachung des Grenzvorfeldes gehörte zum einen die Überwachung der Bewohner im Grenzgebiet und zum anderen die Beteiligung des Grenzregimes. Das Grenzregime bestand nämlich aus vielen Komponenten wir z.B. dem Ministerium für Staatssicherheit, der Volkspolizei oder der Grenztruppen. Wer aufmerksam den Informationen des Freilichtmuseums folgt, wird schnell merken, dass das damalige Grenzregime nicht nur durch die Unterdrückung der Grenzbevölkerung, sondern auch für einen Gewalt- und Machtmissbrauch bekannt war, welcher die Lebensumstände im Bereich der Mauer zusätzlich belastete.










Bereich D: Alltag an der Mauer

Der Bereich D des Gedenkstättenareals unterscheidet sich von der Konstellation, von den anderen Themenbereichen. Der Ausstellungsbereich D beschränkt sich auf einem Streifen entlang des ehemaligen Postenweges wo sich zur heutigen Zeit bereits wieder zahlreiche Häuser befinden. Entlang des Bürgersteiges wurden immer wieder einzelne Ausstellungselemente integriert, die durch die verlaufende Querstraße je nach Thema voneinander abgegrenzt wurden zwischen der Brunnen- und der Ruppiner Straße geht es mit dem Titel „Die Mauer und West-Berlin“ darum, wie sich die Mauer auf die eingeschlossene Weststadt auswirkte. Damalige Kerngebiete wie der südliche Wedding, wurden z.B. plötzlich zum Stadtrand West-Berlins. Der Titel „Fluchthelfer und Tunnelbauer“ gibt Einblicke in die zwischen 1962 und 1971 entlang der Bernauer Straße errichteten Fluchttunnel von denen nur drei erfolgreich waren. Die Veranschaulichung der waghalsigen Fluchtaktionen lässt spätestens hier bei dem einen oder anderen Besucher Gänsehaut aufkommen. Der letzte Part zwischen der Brunnen- und der Ruppiner Straße beschäftigt sich mit dem Dienstalltag der Grenzsoldaten. Die Grenzbewohner sollten täglich überwacht werden und selbst auf unbewaffnete Flüchtende sollte hier das Feuer eröffnet werden, wenn die Flucht nicht anders verhindert werden konnte. Viele Grenzsoldaten entzogen sich jedoch diesen Anweisungen indem sie selbst den Weg über die Grenze suchten.


Zwischen der Ruppiner und Wolliner Straße wird der politische Alltag an der Mauer veranschaulicht. Unter dem Titel „Die Mauer in der Politik“ wird das Verhalten des West-Berliner Senats und der Bundesregierung mittels Staatsbesuchen und Mahnwachen gezeigt, mit denen auf die verheerenden Konsequenzen der Einmauerung in Bezug auf die Stadt hingewiesen werden sollte. Dem „Kalten Krieg und seinen Medien“ hingegen, zeigt die politische bzw. propagandistische Auseinandersetzung zwischen Ost- und West-Berlin. Neben der hauptsächlichen, über Plakate geführten, Auseinandersetzung wurde versucht mit mobilen Lautsprecherwagen politische Botschaften zu übermitteln.


Ist man zwischen der Wolliner und Schwedter Straße angekommen, neigt sich die Ausstellung bereits dem Ende zu. Unter der Begrifflichkeit "Beobachten, helfen, schützen: Die Mauer im westlichen Blick" wird nochmals die Bedeutung der Mauer für West-Berlin und seinen Bewohnern dargestellt. Der Titel „Die Mauer und ihr Fall an der Schwedter Straße“ bildet abschließend ein interessantes Ende, der wie ich finde sehr gelungenen Außenausstellung.













Hier findet Ihr den Berliner Mauerweg entlang der Bernauer Straße in blau markiert


#deutschland #berlin #berlinhautnah

63 Ansichten0 Kommentare